Ubuntu, Welcome back to the Mac

Seit Ewigkeiten auf der Suche nach einem schnellen zuverlässigen Linux Rechner bin ich nach einigen Fehlversuchen bei einem Mac hängen geblieben. Auf die Frage, Ubuntu auf dem Mac zu installieren, dachte ich mir immer – so etwas macht man nicht. Mittlerweile nach langjähriger Benutzung verwende ich selten wenige native Anwendungen unter Mac OS X. Ein Versuch nach langer Zeit doch mal wieder mit Linux / Ubuntu …

Ubuntu Desktop / MacBook Pro :: Wenn der Apfel durchscheint ... :-)

Ubuntu Desktop / MacBook Pro :: Wenn der Apfel durchscheint … :-)


HinweisDas folgende Beispiel wurde mit Ubuntu 12.10 (Quantal Quetzal) auf einem Apple MacBook (MacBookPro7,1) durchgeführt.

TippDie Modellbezeichnung befindet sich auf Mac OS X unter “Apfel / Über diesen Mac / Weitere Informationen … / Modell-Identifizierung”.

Unter Linux kann die Modellbezeichnung mit folgendem Befehl in der Shell angezeigt werden.

$ sudo dmidecode -s system-product-name
MacBookPro7,1
WarnungEine vollständige Datensicherung ist unbedingt erforderlich. Daten können durch Veränderung der Partition verloren gehen und das System könnte unter Umständen nicht mehr funktionieren!

Vorbereitungen

Datensicherung

Viele Wege führen nach Rom, ich habe einfach eine Festplatte über USB angeschlossen und mit Time Machine eine Vollsicherung erstellt.

Installationsmedium

Die .iso-Datei für das Ubuntu Installationsmedium kann unter “Download Ubuntu for your desktop” heruntergeladen werden. Mit einer leeren DVD kann das Medium durch das “Festplatten-Dienstprogramm” erstellt werden.

Mac OS X Festplatten-Dienstprogramm :: Installationsmedium

Mac OS X Festplatten-Dienstprogramm :: Installationsmedium

Einfach die .iso-Datei hinzufügen und selektieren. Anschließend über “Brennen” das Medium erstellen.

rEFIt

HinweisDer Bootloader GRUB kann nicht direkt verwendet werden. Intel-Macs verwenden gegenüber handelsüblichen PCs EFI statt eines BIOS. rEFIt kann die verschiedenen Betriebssysteme verwalten und auf dem Mac den Bootvorgang von Ubuntu einleiten, der dann schließlich von GRUB vollendet wird.

rEFIt kann unter “Installing rEFIt” heruntergeladen werden und mit dem Standard-Installer unter Mac OS X installiert werden.

Mac OS X :: rEFIt

Mac OS X :: rEFIt

Partition

Eine Partition für Ubuntu kann mit dem Festplatten-Dienstprogramm erstellt werden. Die vorhandene Partition nach Bedarf verkleiner und den Rest als freien Speicherplatz einrichten.

Mac OS X Festplatten-Dienstprogramm :: Partitionieren

Mac OS X Festplatten-Dienstprogramm :: Partitionieren

Installation

TippEine Kabel gebundene Verbindung zum weltweiten Netz erleichtert die Installation, da Aktualisierungen und Treiber nachgeladen werden und drahtlose Verbindungen erst nach der Konfiguration funktionieren.
WarnungDer Grafikkartentreiber funktioniert erst nach der Konfiguration. Die Bootoption “nomodeset” ist erforderlich, damit vorerst Ubuntu ohne NVIDIA-Treiber gestartet werden kann!

Das Ubuntu Installationsmedium einlegen und während des nächsten Neustarts die Taste “c” gedrückt halten bis von der DVD gestartet wird. Nach gewählter Sprache die zusätzliche Bootoption über F6 (Sonstiges) “nomodeset” auswählen. Durch “ESC” und “Eingabe” wird der erste Start von der CD eingeleitet.

Die Installation kann anschließend über “Ubuntu 12.10 installieren” gestartet werden (siehe auch Ubuntu Installation).

Nach erfolgreicher Installation wird das System neu gestartet. Linux (Ubuntu) wird vom neuen Bootmenü rEFIt angeboten und sollte zur Konfiguration ausgewählt werden.

Konfiguration

WarnungDer Grafikkartentreiber funktioniert erst nach der Installation des proprietären Treibers. Ein Starten im “Wiederherstellungsmodus” über “Erweiterte Optionen für Ubuntu” und anschließendem “resume” ist erforderlich.

Aktualisierungen

Nach dem ersten Start sollten alle Aktualisierungen mit der Anwendung “Software-Aktualisierungen” installiert werden. Das System muss meistens anschließend neu wie zuvor im “Wiederherstellungsmodus” gestartet werden.

Treiber

WarnungDas Paket “linux-header-generics” muss für die proprietären Treiber zuvor installiert werden.
$ sudo apt-get install linux-headers-generic

Damit die Grafik und das Funknetzwerk funktioniert, müssen die proprietären Treiber “Broadcom” und “NVIDIA” unter “Software-Paketquellen / Zusätzliche Treiber” aktiviert werden.

Ubuntu Konfiguration :: Treiber

Ubuntu Konfiguration :: Treiber

Das System kann anschließend “normal” mit besserer Auflösung neu gestartet werden.

Touchpad

Damit das Touchpad ähnliche Eigenschaften wie unter Mac OS X annimmt, einfach unter “Systemeinstellungen / Maus und Touchpad” die Option “Mausklicks per Touchpad freischalten” deaktivieren und die Option “Bildlauf mit zwei Fingern” aktivieren.

Ubuntu Konfiguration :: Maus und Touchpad

Ubuntu Konfiguration :: Maus und Touchpad

Bildschirmhelligkeit

Durch die Installation des NVIDIA-Treibers funktioniert die Einstellung der Bildschirmhelligkeit über die Funktionstasten “F1″ und “F2″ nicht.

Durch die zusätzliche manuelle Konfiguration in der Datei “/etc/X11/xorg.conf” folgender Zeile im Bereich “Screen” (siehe Zeile 10) funktioniert die Einstellung nach dem nächsten Neustart wieder.

Option      "RegistryDwords" "EnableBrightnessControl=1"
$ sudo gedit /etc/X11/xorg.conf
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
...
Section "Screen"
    Identifier     "Screen0"
    Device         "Device0"
    Monitor        "Monitor0"
    DefaultDepth    24
    SubSection     "Display"
        Depth       24
    EndSubSection
    Option      "RegistryDwords" "EnableBrightnessControl=1"
EndSection
...

Fazit

Ubuntu auf einem MacBook Pro ist schnell und bringt Spaß, aber die Installation ist immer noch nicht ohne Probleme zu bewerkstelligen. Ich dachte Ubuntu würde mittlerweile Erwachsen sein und eine Installation würde reibungsloser ablaufen.

siehe auch …

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14 Antworten zu “Ubuntu, Welcome back to the Mac”

  1. Nurionn sagt:

    Ich habe zwar selber keinen Mac, auf welchem ich das Ausprobieren könnte. Trotzdem möchte ich ein kurzes Lob für den sehr übersichtlichen mit wertvollen Zwischeninformationen aussprechen. Weiter so!

  2. Martin sagt:

    Du hast aber keine Festplattenvollverschlüsselung aktiv gehabt, oder? Denn damit ist es *richtig* schwer [1], ein zweites OS zu installieren.

    [1] https://www.cl.cam.ac.uk/~osc22/tutorials/linux_on_macbook_air.html

  3. dakira sagt:

    Moin. Was war denn jetzt bei der Installation nicht reibungslos abgelaufen. Im Prinzip muss man doch nur 3x auf weiter drücken. Sicher – wenn du das ganze mit Dualboot einrichten willst brauchst du noch rEFIt und musst vorher die Partitionen anpassen. Das hat doch aber mit Ubuntu nichts zu tun.

  4. mg sagt:

    @Martin; Ich habe keine Festplattenvollverschlüsselung aktiv. War für mich auch bis heute nicht notwendig, wenn dann einfach Home verschlüsseln.

  5. mg sagt:

    @dakira; Einfach von der DVD starten ohne zusätzliche Bootoption funktioniert nicht.

    Ubuntu funktioniert bis zur Installation der Treiber einfach nicht und kann noch nicht einmal – out of the box – ausprobiert werden.

  6. Martin sagt:

    @mg, es reicht nicht, das Home zu verschlüsseln, gerade wenn man per Laptop unterwegs ist. Swap und das Sleep-Image werden damit immer plain text auf die Platte geschrieben.

  7. mg sagt:

    @Martin; soweit habe ich noch gar nicht gedacht.

    Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit im Swap- oder Sleep-Image ausreichend sensitive Daten zu haben und dann noch jemanden mit diesem notwendigen Know-How?

    Auf dem CCC wollte ich das Notebook nicht liegen lassen … :-)

  8. linuxnutzer sagt:

    Warum genau sollte Ubuntu denn das System für Apple Hardware optimieren? Ist mir unverständlich warum man sich erst die restriktivste proprietär Hardware kauft und dann von Open Source Software verlangt, dass die das doch bitte reverse engineert haben.

  9. dakira sagt:

    @mg: Ui.. das ist bei mir anders. Ich habe Ubuntu auf einem MacPro 4,1 und auf diversen Mac minis laufen. Auf allen läuft es seit Jahren so, dass ich die CD einwerfe, installiere und fertig. In meinem MacPro steckt auch eine NVidia-karte und da läuft ausprobieren von CD auch problemlos. In dem MacbookPro von dir muss echt ein Kartenmodell verbaut sein, was sich absolut nicht mit den Opensource-Treibern verträgt. Gerade bei den Mobil-Chipsets verändern die Hersteller leider oft die specs der Karte (auch bei Windows-Laptops) was dazu führt, dass diese nur mit den Hersteller-Treibern ordentlich laufen und Opensource-Treiber (und selbst die offiziellen NVidia-Treiber) keine Chance haben. Da hat Ubuntu leider null Einfluss drauf.

  10. dakira sagt:

    @martin: nein. Sobald man bei Ubuntu die Verschlüsselung des home nutzt, wird auch automatisch cryptswap mit eingerichtet.

  11. mg sagt:

    @linuxnutzer; so proprietär ist die Hardware doch gar nicht. Andere Betriebssysteme kommen auch mit der Hardware klar.

    BTW proprietär, bis heute hatte ich noch kein Notebook, bei welchem nicht manuell korrigiert werden musste, bis alles unter Ubuntu unterstützt wurde.

  12. mg sagt:

    @dakira; auch schon mit der 12.10’er ausprobiert?

  13. axt sagt:

    Es gibt schon seit Oneiric amd64+mac.iso-Versionen, Basteleien mit rEFIt entfallen.

    http://releases.ubuntu.com/12.10/ubuntu-12.10-desktop-amd64+mac.iso (756 MiB)

  14. mg sagt:

    @axt; Tripleboot (Mac OS X, Windows, Linux) ohne rEFIt auch möglich?

    Ich habe noch gar kein Windows, aber vielleicht brauch ich es ja doch mal … :-)

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